Personal Social Update gestartet

Es ist soweit, ich kann es nicht länger aufschieben. Ich sehe mich gezwungen, meinen Lebensstil zu ändern und in Social Media zu machen. Künftig werde ich regelmäßig täglich stündlich mein Handy heraus ziehen, auf den 5-Zoll-Bildschirm starren, den Daumen verrenken, und allen möglichen Kram anzuschauen, liken, kommentieren, oder selbst Kram einstellen. Halleluja!

Hiermit startet also mein auf ein Jahr angelegter Selbstversuch „PSU – Personal Social Update“, also der Armin Pfannenschwarz 2.0. Dieser Blog ist die Dokumentation dazu, quasi ein Reisebericht – wer Lust hat, kann mich auf dieser Reise begleiten. Zielbahnhof: Der 22. November 2019.

Hintergrund: Bisher habe ich mich erfolgreich von sozialen Medien aller Art ferngehalten. Der Facebook-Account, den ich vor Jahren mal aus Neugier erstellt habe, wurde nie gepflegt – Anzahl der Postings: Null. Instagramm: Null Bilder, null Follower. Xing: da habe ich ein Profil, das wurde vor einem Jahr das letzte Mal gepflegt. Etwa alle sechs Monate gehe ich rein und bearbeite die ca. 20 Kontaktanfragen, die sich da gesammelt haben. Die Statistik meines WhatsApp-Account: 131 verschickte Nachrichten in zwei Jahren. Undsoweiter.

Bisher zähle ich also zu den Verweigerern – „sozialtot“ laut Wörterbuch der Jugendsprache. Warum?

Zum ersten war es für mich nie wirklich notwendig, über Social Media mit der Welt oder auch nur mit ein paar anderen Leuten zu kommunizieren. Als die Systeme aufkamen, war ich schon Professor, war schon verheiratet, war also schon Teil des Establishments. Mein Beruf besteht darin, mich ganz analog vor Studierende zu stellen und diese in ihrem eigenen Lernprozess zu unterstützen. Ich hatte eine digitale Präsenz nie notwendig, noch erschien sie mir den Zeitaufwand wert. Sogar meine private Website habe ich irgendwann mangels Nutzen eingestampft.

Zum zweiten bin ich ein bekennender Soziopath der milderen Sorte. Schon rein beruflich habe ich den ganzen Tag mit Leuten zu tun, der Professorenjob ist ja im Prinzip eine reine Kommunikationsaufgabe. Und da soll ich in den wenigen Zeitfenstern, in denen ich in Ruhe mal was Inhaltliches arbeiten kann, Messages abrufen oder selbst welche posten?
Zum dritten mag ich es überhaupt nicht, über das Handy zu arbeiten. Meine Schnittstelle zum Rest der Welt ist mein PC, der mich überall hin begleitet, und mit dem ich praktisch alles mache (ungeachtet der Klagen meiner Liebsten über hässliche Plastikkisten auf dem Küchentisch). Auf einer Tastatur tippe ich etwa um den Faktor 20 schneller, als ich Text über ein Smartphone-Display eingeben kann. „Alexa, schreib mal meinen Blog-Beitrag für heute.“

Leide ich denn unter dieser Social Media-Abstinenz?
Nein. Eindeutig nicht.
Warum dann diese Kehrtwende, warum dieser Selbstversuch?

Einerseits möchte ich Social Media als Infokanal und Vertriebsweg für unseren Studiengang Unternehmertum nutzen. Der Trigger ist also erst mal beruflicher Natur. Als Studiengangsleiter bin ich für die Akquisition von Studierenden verantwortlich. Der Studiengang ist erwiesenermaßen gut (mehrfach preisgekrönt, Qualitätsführer an der Hochschule etc.), theoretisch müsste er eine größere Nachfrage erfahren als es bislang zu verzeichnen ist. Liegt es an der Art und Weise der Öffentlichkeitsarbeit, der Kommunikation darüber? Ist diese möglicherweise einfach nicht zeitgeistig genug? Das gilt es auszutesten.

Andererseits bietet sich damit auch die Gelegenheit, der drohenden Überalterung meines Wissens entgegen zu wirken – eine ständige Gefahr für Professor/innen, die im akademischen Gewächshaus gelandet sind. Gerade in meinem Fachgebiet erscheint das notwendig. Die digitale Revolution als aktueller Haupttreiber für unternehmerische Aktivitäten und Innovationen ist ja inzwischen ein Allgemeinplatz. Wenn ich den Anspruch habe, auch in den nächsten Jahren Studierende auf ihren Berufsweg als Gründer oder Unternehmensnachfolger sinnvoll zu unterstützen, dann muss ich auch die Welt kennen, in der die Menschen sich heute bewegen. Und das ist nun mal nicht mehr die analoge Sphäre, sondern die digitale. Eben Social Media.

Hier die zu überprüfenden Hypothesen für diesen Selbstversuch:

  • 1. Hypothese: „Es ist für nicht mehr ganz junge Leute (ich bin 53) möglich, sich in alle aktuellen Social Media-Kanäle und -Systeme einzuarbeiten und sie innerhalb kurzer Frist so selbstverständlich zu bespielen, dass die Herkunft als „Digital Immigrant“ nicht weiter auffällt, bzw. sich nicht negativ auswirkt.“
  • 2. Hypothese: „Die (subjektive) Lebensqualität sinkt durch die ausgiebige Nutzung von Social Media nicht. Möglicherweise steigt sie ja sogar (am Ende gefällt mir das auch noch!).“
  • 3. Hypothese: „Die Arbeit in und mit Social Media ist den Aufwand wert, d.h. mit demselben Invest an Zeit ist keine Alternative effizienter für die Erreichung der gesteckten Ziele.“

Diese Hypothesen werden durch das Experiment also entweder bestätigt oder falsifiziert. Das ist das Schöne an Experimenten: egal was rauskommt, man hat was dazu gelernt. Die Operationalisierung fehlt noch, also woran ich genau erkenne, ob die Hypothesen bestätigt sind oder nicht. Das hebe ich mir für einen späteren Post auf.

3 thoughts on “Personal Social Update gestartet”

    1. Hallo Martin, das versuche ich ja herauszufinden. Ist sozusagen ein Versuchsaufbau. Skepsis ist da die richtige Haltung, frei nach Montaigne 😉

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